Nepal Reise 2014

1. Tag

Meine Reise beginnt am Muttertag, den 12.05. Um 9:00 Uhr werde ich vom Flughafen Taxitransfer abgeholt. Ein regnerischer trüber Morgen. Nach kurzer Verabschiedung von meiner Familie startet schon das Taxi. Wir sind nur zu zweit, der Fahrer und ich. Da er auch Hobby-Photograph ist und zufälligerweise auch eine Nikon hat, haben wir natürlich viel gemeinsam. Bis Passau verfliegt die Zeit. Hier holen wir am Hafen ein niederländisches Ehepaar ab. Richtung München regnet es fast die ganze Zeit. Im Flughafen am Kiosk liegen diverse Zeitschriften. Überall das gleich zu sehen. Die Sensation des vergangenen Abends. Eurovision Songcontest-Sieger Conchita Wurst. Ganz Europa ist verblüfft. Österreich hat den Titel geholt. Mein Flug startet pünktlich. Da ich reisekrank bin und Tabletten schlucke, schlafe ich gleich ein. Ankunft in Istanbul mit Aufregung. Der Flughafen ist sehr europäisch, angenehm und sauber. Gleich finde ich meinen Anschluss nach Kathmandu, habe noch 2 Stunden Zeit. Die Zeit fülle ich mit Arbeit aus. Der Flug startet auch von hier pünktlich. Ich hab also Glück. Neben mir ist der Sitz frei und ich kann mich ausbreiten. Der Flug dauert etwa 8 Stunden. Eine Ewigkeit für mich aber ich schlafe wieder ein.

 

2. Tag

Ankunft in Kathmandu. Alles OK. Mein Koffer kommt bald und ich bin draußen. Progress wartet schon auf mich. Mein Gepäck wird mit einem Taxi zum Hotel gebracht und ich fahre mit Progress. Er besitzt ein blaues  Motorrad. Ich nenne es die Blaue Stute. Nach etwa 30 Minuten Fahrt sitzen wir beim Frühstück im Tibet Guest House, das Hotel liegt direkt in Thamel. Beim Frühstück präsentiere ich meine Vorhaben. Progress beginnt zu telefonieren und wir können schon wieder starten. Die Blaue Stute fährt wieder auf den Straßen von Kathmandu. Schon besichtigen wir die ersten Baugründe in Laliptur. Die Preise sind erschwinglich. Wir sind schon den ganzen Tag unterwegs. Endlich besuche ich jetzt meine Kinder im Heim. Ein unbeschreibliches Gefühl, sie wieder zu sehen. Sie haben mich mit einer Riesen-Freude empfangen. Alle sind wohlauf. Die Zahl meiner Kinder ist von 38 auf 48 gewachsen. Ich bin überglücklich. Wir fahren wieder. Ich spüre bereits, dass mein Körper nachlässt und schlafe währen der Fahrt auf der Blauen Stute ein, werde aber gleich wieder wach. Endlich sind wir im Hotel, es ist schon dunkel und ich bin erledigt.

 

3.Tag

Ich werde wach und mir tut alles weh. Die Betten in Nepal sind hart. Am frühen Morgen schon wechsle ich das Hotel. Ich habe nur eine Nacht in einem „guten Hotel“ verbracht. Ich beziehe ein günstiges Hotelzimmer. Für uns Europäer eher gewöhnungsbedürftig, aber für mich OK. Klein, aber ich habe ein eigenes Bad, zwar ohne warmes Wasser aber meins. Das Personal ist nett und freundlich. Schwierig, Ordnung zu halten, da ich keinen Schrank habe. Mit meinem Laptop arbeite ich unten in der Lobby. Hier ist es auch so eng, dass mir der Chef seinen Platz übergibt. Ich kann endlich meine E-mails bearbeiten. Viel Arbeit wartet auf mich. Gegen Mittag fahren wir mit der Blauen Stute los, um den nächsten Grundbesitzer zu treffen. Diesmal in Baktapur. Der Grund ist sehr teuer und auch der zweite kommt leider nicht in Frage. Aber: Wer suchtet, der findet. Am Nachmittag bin ich bei meinen Kindern. Sie sind schon von der Schule gekommen und sitzen bei den Hausaufgaben. Wir üben die Englisch-Texte, bei Mathe hilft auch ein älteres Mädchen. Es macht viel Freude, hier zu sein. Bevor es dunkel wird fahren wir mit der Blauen Stute zu meinem Hotel.

 

4.Tag

Ich kann kaum schlafen. Dieses Bett ist noch härter als das andere. Ich wickle meinen Schal um die Hüfte, um ein wenig die Härte zu dämpfen. Schaffe ich aber nicht. Ich schmiere meinen verspannten Rücken mit China Balsam ein, um meinen Schmerz zu lindern. Vergeblich, das kühlt nur. Den Vormittag verbringe ich mit EDV-Arbeit, ich aktualisiere meine Facebook Seite. Meine Bekannten aus Europa sind sicher schon neugierig, was ich Nepal mache. Ich schreibe Briefe an alle Pateneltern. Ich bin die Brücke und freue mich, diese Aufgabe  machen zu können. Nachher besuche ich die Shambhavi Schule, die meine Kinder besuchen. Kurze Besprechung mit Regan, er ist der Sohn vom Direktor und der Verwalter. Dabach fahren wir mit der Blauen Stute und besuchen ein anderes Waisenhaus in Kathmandu. Ich sammle so viele Informationen, wie ich kann. Wir besichtigen neue Grundstücke, dieses mal in Budhanilkantha und Tokha in Nord Kathmandu.  Den Nachmittag verbringe ich wieder mit meinen Kindern. Jedes Mal ein Geschenk für mich, hier zu sein. Es wird schnell dunkel, wir setzen uns auf die Blaue Stute, sie rast mit uns Richtung Hotel.

 

5. Tag

Bin müde aufgewacht. Unter der kalten Dusche werde ich wach. Ich habe Rückenprobleme und das macht sich hier bemerkbar. Die Nächte sind warm. Ich lege schon alles unter mich und bedecke mich nur mit einem leichten Baumwoll-Leintuch. Es ist aber immer noch zu hart für mich, kann mich nicht dran gewöhnen. Nach dem Frühstück aktualisiere ich die Fotos und Geschehnisse der vergangenen Tage und bearbeite meine Emails. Heute besucht mich ein Bekannter, den ich über Facebook kennengelernt habe. Er kommt mit einem Nepali, sein Name ist Nabaray und er arbeitet für eine italienische Firma. Toya (mein Bekannter) ist Lehrer von Beruf und beide machen ehrenamtliche Sozialarbeiten. Toyas Haus liegt in Baniyatar in Westkathmandu.  Er lebt mit seinem Sohn Bodri hier, er studiert und möchte später Ingenieur werden. Toyas Frau lebt in den Bergen, 80 km entfernt. Wir besichtigen die Gegend und schauen nach Baugründen.  Es gibt auch in dieser Gegend wunderschöne Plätze. Das Klima erinnert mich ständig an mediterranes Flair. Die Luft ist hier rein und warm. Es gibt keinen Schnee in Kathmandu. Rundum die Berge, ein traumhafter  Anblick. Toya bereitet mein Zimmer vor. Europäisch eingerichtet sauber, groß und vor allem zu meiner Überraschung: Ich kann lauwarm duschen. Kaum wird es dunkel, wird der Strom wird ausgeschaltet. Ich schlafe ein.

 

6. Tag

Ich werde schon ganz in der Früh munter. Da ich sowieso nicht richtig schlafen kann, höre ich ständig die Vögel singen. Ein sonniger warmer Morgen. Auf die Terrasse gehend, genieße ich die wunderschöne Naturlandschaft. Nach dem Frühstück haben wir ein Treffen mit dem Grundbesitzer. Bauparzellen angeschaut, Blaupläne studiert. Nachher besuchen wir eine Regierungs-Schule, wo Toya früher mal unterrichtet hat. Eine große Schule mit etwa 400 Schülern und 26 Lehrkräften. Schulpreise vergleichen, Unterricht besuchen und mit dem Direktor unterhalten. Es ist schon früher Nachmittag. Nabaray holt uns bald ab. Er besitzt einen Geländewagen. Ich sehe ihn schon, er kann aber nicht zu uns hinauf, der Weg ist zu steil und das Auto ist voll mit Schulheften. Jetzt fahren wir nach Bettine, 80 km entfernt von Kathmandu in die Himalaya Berge. Eine kleines Dorf, wo Toya’s Frau lebt. Gute 3 Stunde sind wir unterwegs. Eine Tortur für mich. Ich bin reisekrank. Hab meine Tabletten im Hotel vergessen. Übergebe mich drei Mal, meine Kehle brennt, mein Schläfe pocht und mein Bauch tut furchtbar weh. Ich bin erledigt. Die Polizei-Kontrollposten sehen meinen Zustand und lassen uns schneller passieren. Endlich sind wir angekommen. Ich kann kaum meine Beine bewegen. Wie gelähmt falle ich ins Bett. Härter geht's nicht mehr, aber mir ist das schon egal. Ich schlafe ein.

 

7. Tag.

Kaum dämmert es, höre ich Stimmen draußen. Versuche aufzustehen, mir tut alles weh. Rücken, Hals, Kopf, Bauch. Mir geht es echt scheiße. Das erste was ich mir wünsche, ist, sauber zu sein.  Absolute Wildnis aber urig. Nach dem Zähneputzen, Waschen und mit frischen Sachen fühle ich mich trotz meiner Schmerzen wie neugeboren. Ich bekomme einen warmen frischzubereiteten Himalaya-Tee für meinen Magen. Es geht mir gleich besser. Toyas Frau ist eine sehr nette Person. Ich habe sie gleich gern gehabt. Die Dorf- Verwandtschaft und Toya sind gleich in der Früh gegangen. Ich bleibe mit Durganina alleine und wir kommen erstaunlich gut miteinander zurecht. Ich lerne Nepali und sie zeigt mir ihr Alltagsleben. Sie zeigt mir ihr Dorf und dessen Bewohner. Ich kann schon ein paar Sätze, die Frauen mögen meinen Nepali Akzent, wir lachen und ich vergesse meinen schwachen Körper.  Die frische Bergluft  tut mir echt gut. Der Ort und seine Gegend verzaubern mich. Wir gehen zum Dorf-Waschplatz. Ein Traum. Der Jasmin-Baum ist einfach riesig sicher über 200 Jahre alt oder sogar älter. Seine Blüte riechen himmlisch. Der kleine Fluss ist vom Menschenhand in einen 3 teiligen Wasserfall umgebaut. Von etwa 2 Metern Höhe ist genug Platz, um darunter zu stehen und sich zu waschen. Das Wasser ist lauwarm und duftet nach Frische. Die Kinder lachen mich aus, als ich mich ausziehen will. So etwas ist nicht erlaubt. Deswegen wasche ich nur meine Haare. So weich waren die noch nie. Nachher reibe ich sanft die Jasmin Blüten in meine Haut, himmlisch. Den Tag werde ich nie vergessen.  Wir gehen nachher zu einem Händler und ich kann mir einen Stoff aussuchen. Durganina will mir ein Geschenk nähen lassen. Ich bekomme eine rote Sari Bluse. An Ort und Stelle wird sie maßgeschneidert. Bis die junge Nepali Frau meine Bluse näht, darf ich mit einem Baby spielen und die Frauen beim Reden beobachten. Endlich sind wir fertig. Wir gehen nach Hause. Ich hatte endlich meinen erste Ruhetag, und fühle mich auch besser.

 

8. Tag

Eine harte Nacht liegt hinter mir. Ich merke, egal wo ich schlafe, es ist immer das gleiche. Ein Bettrahmen mit einer Platte drauf. Die Auflage etwa 5 cm, steinhart ohne jegliche Elastizität. Eben Nepal. Und das Erstaunliche dabei ist, dass die Nepali keine Rückenleiden haben. Ich kaufe gleich in der Früh meinen roten Sari, wasche alles und in einer halben Stunde ist alles trocken. Durganina hilft mir beim Sari-Binden und ich bekomme schönen Schmuck. Alle schauen mich an, wie originell ich aussehe. Ich fühle mich wie eine nepalesische Prinzessin. Sie behandeln mich auch so. Eine Europäerin in den Bergdörfern ist nicht alltäglich. Auf unserem Programm steht heute: 3 Dorfschulen besuchen und die Schulhefte austeilen. Ich darf fahren. Eine weiße Frau mit Sari, die fahren kann, haben diese Bewohner noch nicht gesehen. Für mich eine Herausforderung, da in Nepal Linksverkehr ist, wie in England. Wir sind stundenlang unterwegs in den umliegenden Dörfern. Überall die fröhlichen Kinder und Dorfbewohner. Ich fühle die Freude dieser Menschen und bin überglücklich. Es fällt mir schwer, Abschied zu nehmen. Hier ist die Zeit stehen geblieben. Wir packen unsere Sachen und fahren wieder nach Kathmandu. Ich darf fahren. Ich habe meine Angst besiegt und fahre eigentlich gar nicht so schlecht.  Die Bergstraßen sind viel besser als in Kathmandu. Ich darf den halben Weg lang das Kommando haben. Danach übernimmt Nabaray, da wir uns wieder den Posten-Kontrollen nähern, darf ich nicht fahren, mein Führerschein gilt hier nicht mehr. Wir werden wieder durchsucht und dürfen weiter fahren. Die Straße wird schon langsam schlechter. Jetzt kann ich die Gegend bewundern. Nepal ist schön, auf Nepali „Nepal ramro chaa“. Hier fühle ich mich zu Hause. Ich bin überglücklich, dass ich die Reise überstanden habe. Zuhause bei Toya haben wir keinen Strom.  Daher gehe ich auch bald in Bett.

 

9. Tag

Heute Vormittag fahren wir mit dem Tuk Tuk zurück ins Zentrum. 4 km, über eine Stunde. Das Tuk Tuk bleibt überall stehen, wo es notwendig ist. Reingequetscht fühle ich mich gar nicht wohl. Mein Magen dreht sich. Wir müssen austeigen. Wir fahren mit dem Taxi weiter, endlich sind wir im Hotel. Ich habe wieder einmal Gelegenheit gehabt, nette Menschen kennen zu lernen. Ich werde diese Familie sicher mal besuchen. Ich traue mich nicht, meinen Laptop zu oeffnen.  Mir wird bewusst, wie viel Arbeit auf mich wartet. Sehr viel. Ich muss 3 Tage "nachholen", obwohl ich beschäftigt war. Meeting mit Progress wegen der Bauarbeiten.  Am Nachmittag besuche ich wieder das Heim. Lernen, danach mit den Kindern spielen. Kalt geduscht nach einem aufregenden Tag gehe ich ins Bett, wissend, dass ich nicht gut schlafen werde.

 

10. Tag

Das Strom-Aggregat weckt mich in der Dämmerung. Es ist etwa 5 Uhr am Morgen. Die ersten Vögel zwitschern schon. Der Müll wird im Hinterhof verbrannt, es riecht bis ins Zimmer. Mich stört schon gar nichts mehr. Ich möchte nur schlafen, geht aber nicht. In Österreich ist es erst etwa 1.00 Uhr  Morgen. Tausend Gedanken und Pläne im Kopf. Versuche, alle richtig zu ordnen. Lasse das kalte Wasser über meinen Hals und bekomme Gänsehaut. Ich fühle mich wieder frisch. Nach dem Frühstück gehe ich zu Fuss in die Schule. Ich kenne bereits den Weg und bin vertaut mit der Umgebung. Regan wartet schon auf mich. Wir besprechen die Probleme und suchen Lösungen. Ich habe meine Strategie im Kopf. Viel Verwaltungs-Arbeit wartet auf mich. Bin ständig unterwegs. Heute schaffe ich es das erste Mal, zu Mittag zu essen. Treffe meinen Patensohn auf der Straße und wir gehen gemeinsam weiter. Unterwegs kaufen wir 60 Stück Bananen für die Kinder.  Im Heim habe ich heute Waschtag angeordnet. Fast jedes Kind muss selber waschen. Gewaschen wird am Betonboden. Meine Füße brennen und meine Knie tut weh, aber die Schulhemden hängen schon. Jetzt wird gegessen. Weitere Besprechungen über die Heim Organisation. Die Blaue Stute fährt wie neu. Ich bin froh, wieder im Hotel zu sein.

 

11. Tag

Um 7h30 bin ich schon in der Schule. Deutschunterricht ist am  Programm. Nur wenige Kinder besuchen den Unterricht. Deutsch haben die Kinder erst seit 15. April. Das ist der  Beginn des neuen Schuljahrs. Die Schüler sind echt gut. Bibek der junge Lehrer spricht ein sehr schönes Deutsch mit einem leicht österreichischen Akzent. Regan bemerkt, dass die Kinder sauberer sind. Kleine Schritte führen zum Erfolg. Heute treffe ich Khadga. Auch ein Freund von mir. Er war mein erster Guide 2012. Seit dem sind wir befreundet. Ich bekomme auch von ihm hilfreiche Tipps für das Projekt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen lasse ich eine zweite Sari Bluse nähen. Heute Nachmittag fahren wir gemeinsam mit dem Schulbus zum Heim. Hier wartet Büroarbeit auf mich. Große Besprechung mit dem Heimpersonal. Die Unterlagen der Kinder müssen wir ordnen und fehlende Dokumente ausfühlen, sortieren und ergänzen. Also einiges zu tun. Heute kommt die Cargo Sendung aus Österreich. Ich habe 219 kg Hilfsgüter gesendet. Spät am Abend komme ich im Hotel an. Gut, dass der Tag vorüber ist. Auf Facebook treffe ich ein paar Freunde und Bekannten. Alle sind neugierig und ich bin froh, mich mit lieben Maschen unterhalten zu können und über meine Nepal Abenteuer erzählen zu dürfen. Ich merke nicht einmal wie spät es ist. Werde müde und von Kathmandus Lebendigkeit ist keine Spur mehr zu hören, Totenstille, es ist 1h30 Nacht und ich bin jetzt so richtig KO.

 

12. Tag

Rückenschmerz hin oder her, das ist schon ein Alltags-Zustand für mich. "Denk nicht mal dran", versuche ich es zu akzeptieren. Eine kalte Dusche frischt mich immer auf, genau wie an diesem Morgen. Ich liebe es, im Garten zu frühstücken. Mein einziger Luxus. Der Garten ist gleichzeitig der Hof, klein aber fein. Der Portier putz den Hof, begrüßt mich mit einem herzlichen Namaste und ich genieße meine Mahlzeit. Der Tag beginnt mit einem Schulbesuch. Die Kinder freuen sich immer, wenn wir uns treffen und ich bin stolz, dass meine Kinder die Schule besuchen. Heute habe ich 45 Schulhemden neu bestellt und die Schulleistungen der Schüler mit Regan analysiert, Strategien ausgearbeitet, um das Beste für die Kids zu ermöglichen. Es ist fast Mittag, als ich Paschupathinat erreiche. In meinem roten Sari bin ich ein "Hingucker" für die Einheimischen. Die sind noch netter zu mir als sonst. Dort wo die Nepali sonst Geld verlangen, um fotografiert zu werden, werde ich eingeladen. Mit meinem Nepali-Wissen erweise ich ihnen die Ehre, dass es mir wohl sehr wichtig ist, den Kontakt zu haben und ich bin wissbegierig, erkundige mich nach allem und lache viel. Das tut gut. Ein Telefongespräch mit Progress reißt mich aus meiner Idylle, es geht um die Cargo-Sendung, das Dokument vom Heim ist noch nicht erledigt. Somit ist Hektik vorprogrammiert. Im Cargo Büro treffen wir Nirmal, einen nette Nepali. Er versucht, eine Lösung zu finden, die uns allen passt, aber das dauert. Sie müssen meine Dokumente kopieren. Deklariert wird, dass ich meine eigenen Sachen von Österreich nach Nepal gesendet habe. Von mir an mich. Das ist die billigste Lösung, die aber auch ein paar Tage in Anspruch nehmen wird. Ich vergesse, dass ich seit fast 2 Wochen unterwegs bin, ganz alleine, und ich komme gut klar. Bin mit so vielen Aufgaben eingedeckt, dass fürs Nachdenken nicht viel Zeit übrig bleibt. Bin wieder in der Schule und hole meine lieben Kinder ab. Wir lachen und singen während der Schulbuss durch das staubige hitzige Kathmandu fährt. Im Gänsemarsch gehen wir nun zum Heim. Ich checke die Sauberkeit der Kinder und wir fangen wieder an, zu waschen.  Zu Hause sorge ich für 2 Männer, hier für 48 Kinder, ist schon ein Unterschied. Noch dazu mache ich hier alles mit der Hand, kniend am Betonboden.  Im Hotel muss ich meine Fotos aufarbeiten, Emails bearbeiten und Facebook-Nachrichten beantworten. Ich gebe täglich Rapport an die Pateneltern. Es ist fast 2h Nacht, als ich einschlafe.

 

13. Tag

Mit Rücken-Dehnungen und einer kalten Dusche beginne ich den Tag. Vor Schulunterricht bin ich da. Ich wohne nur 4 Gehminuten von der Schule. Heute filme ich die Schüler und mache ein paar Fotos. Ein herrlicher Tag. Um 10 Uhr treffe ich Kumar im Hof-Garten. Ein Tisch und eine Bank ermöglichen, das geschäftliche und freundschaftliche Gespräch zu führen. Kumar arbeitet am Flughafen und hat seine Hilfe angeboten. Um 11h kommt schon Khadga der Guide, er hilft mir auch. Beim Mittagessen unterhalten wir uns über andere Projekte und vergleichen sie mit meinen. Möchte viel lernen und meine Zeit sinnvoll investieren. Im Hotel treffen wir Progress zu einer kurzen Besprechung. Ich hole die Kinder ab und fahren wir gemeinsam zum Heim. Alltag: Waschen, lernen, spielen. Es ist fast dunkel. Um 18 Uhr holt mich Nabaray ab, wir fahren über eine Stunde zu seinem Haus, obwohl es nur etwa 7 km sind. Er lebt mit seiner Frau und 2 Söhnen in einem sehr schöne Haus in Miete, außerhalb des Zentrums. Der Hausbesitzer ist Arzt in Deutschland und hat für die Eltern ein Riesen-Haus bauen lassen.Die Kinder versorgen die Eltern solange sie leben. Das ist die Pflicht jedes Nepali. Hier gibt es keine Rente. Nabarays Kinder sind entzückend, genau wie seine Frau. Sie kann kein Englisch aber das macht nichts. Mein Englisch habe ich auf dieser Reise aufgefrischt. Seit vielen Jahren spreche ich kein Englisch. Der Progress kann gut Deutsch, nur diesmal habe ich viele Freunde gewonnen und bin gezwungen, wieder englisch zu sprechen. Schrecklich, aber es funktioniert.  Der Zeit ist reif für eine Auffrischung bzw. Lernen. Nabaray spricht sehr gut englisch. Es ist schon spät, ich schlafe im Kinderzimmer und die Kinder bei den Eltern. In Nepal sind nicht nur die Betten hart, sondern auch die Polster. Und das merke ich erst jetzt. Ich habe meinen Reise-Polster an sich sonst immer dabei, wusste aber nicht, dass ich hier schlafen werde. Bin froh, dass es endlich dämmert. Nabaray muss schon wieder in die Berge, um Schulhefte auszuteilen. Ich werde von einem seiner Verwandten ins Hotel gebracht. Samstag ist schulfrei. Der Wetter ist wechselhaft, die Monsumzeit ist im Anmarsch. Der Wind ist kühler als sonst, aber immer noch angenehm. Bei einer Schneiderin lasse ich mir eine Kurta machen. Ich liebe nepalesisches Brauchtum. Sari und Kurta gehören zum Alltagsleben einer nepalesischen Frau. Für mich auch ein Muss. Heute haben wir eine große Gruppe freiwilliger einheimischer Sozialarbeiter. Sie waschen die Kinder, sorgen für Körperpflege und sind Frisör. Die Zimmer werden gründlich geputzt. Es beginnt heftig zum regnen. Unter dem Regenschirm werden alle Sachen gewaschen.  Es wird gekocht für alle. Eine Heilige Messe wird vorbereitet, Götter-Bilder von lebenden Personen aufgestellt und geehrt. Lieder werden gesungen. Alle sind happy. Eine Super- Gelegenheit, alles zu fotografieren und zu filmen. Die Kinder schreiben Briefe an die Pateneltern. Wir düsen mit der Blauen Stute durch die Gassen zum Hotel. Es ist wieder fast 2 Uhr in der Nacht, als ich einschlafe, soweit ich überhaupt noch schlafen kann.

14. Tag

 

 sensationell! Ich bin absolut begeistert. Der Tag wird mit einem Feuer-Fest geehrt und ich bin dabei. Danach Abendessen. Im Hotel schaue ich die Fotos und die Video Clips des heutigen Abends immer wieder an. Hinduismus Heute ist Sonntag, es beginnt eine neue Schulwoche. Ich hole von der Schneiderin meine Kurta ab, besuche meine Kinder in der Schule und kontrolliere, ob alles passt . Progress und ich rasen auf der Blauen Stute zum Cargo, um einiges zu klären. Mein Reisepass wird kopiert ich unterschreibe einige Dokumente und hoffe, dass alles bald erledigt wird. Im Heim haben wir heute einen Fotoshooting-Nachmittag. Alle Kinder werden fotografiert für die Homepage. Wir suchen Pateneltern. Hier kann jeder, der Interesse hat, die Kinder kennenlernen. Khadga entführt mich in das Land des Mysteriums. Abend Zeremonie in Paschupathinat,zu verstehen, braucht  Zeit. Diese Religion lebt tief verwurzelt in der Vergangenheit. In der Zeit, als noch Götter gelebt haben. Die Bilder sind so lebendig, dass ich fast fühlen kann, hier früher mal gelebt zu haben. Mir kommt hier alles so vertraut vor (nur mein Bett nicht). Etwa um 2h nachts schlafe ich ein.

 

 

15 Tag

 

Ich vermisse meine gute Matratze unendlich. Ich quäle mich schon seit Tagen. Das nächste Mal werde ich einen Topper (Matratzen-Auflage) aus Österreich mitnehmen. Ich bearbeite alle Fotos von unseren Kindern, danach stelle ich sie auf Facebook und auf die Homepage. Einige Stunden Arbeit. Emails an Freunde und Pateneltern. Paudel der Hotelbesitzer ist absolut fasziniert von meiner Arbeit. Ich bin ständig beschäftigt mit Projekt Angelegenheiten und hab kaum Zeit für mich. Bin der einzige Gast im Hotel, der ständig arbeitet. Überhäuft mit Unterlagen und  Dokumenten, alles was ich brauche habe ich rund um mich. Heute kommt meine liebe Freundin Stefanie aus Ampipal zurück. Sie ist seit Anfang des Jahres in Nepal und hat in einem Krankenhaus ehrenamtliche Dienste geleistet. Wiedersehen macht Freude. Ich zeige ihr meine Ergebnisse der vergangenen 2 Wochen und wir quatschen stundenlang.  Das tut uns beiden gut. Danach E-Mails bearbeiten. Ich schaue das Nepali Musikprogramm und schlafe ein.

 

16. Tag

 

Heute Besprechung mit Regan wegen der Tution Schulklasse (Förderklasse).  Ich will, dass alle unsere Kinder die Schule besuchen, aber nicht alle sind schulfit. Es fehlt so viel Wissen, das nachgeholt werden muss. Wir suchen nach Möglichkeiten, das alles zu bewältigen. Wir holen die nötigen Informationen von den Lehrern und analysieren die Fähigkeiten aller Kinder. Stefanie stellt mir Dawa vor. Ich habe die Ehre, wieder mal einen netten Nepali kennen zu lernen. Er kennt sich sehr gut mit Projektaufbauten aus und hat sein Wissen im Laufe der Jahre noch erweitert. Ich merke sofort, dass er in dieser Richtung so einige Erfahrungen für unser Projekt anbieten kann. Er ist unser Mann. Er wird in Nepal unser Projekt leiten, ich bin erleichtet. Ich hole meine Kinder aus der Schule. Drei Jungs helfen mir beim Ordner erstellen, wir kleben zu jedem Dokument auch die Fotos dazu. Somit können die Interessenten an Ort und Stelle ein Kind aussuchen. Eine Erleiterung für mich hier in Österreich, wenn jemand Interesse an einer Patenschaft hat. Es kommt vor, dass die Kinder verwechselt werden, jetzt nicht mehr. Spielen mit den Kindern macht Spaß, und das tägliche Leben miteinander macht uns alle glücklich. Heute gehe ich zu Fuß nach Hause, Tej mein lieber Patensohn begleitet mich zu meinem Hotel. Unterwegs kaufe ich für Tej eine Regenjacke und einen Taschenrechner, er freut sich sehr und ich mich auch. Ich mache ihn mit dem Hotelpersonal bekannt dann geht er wieder. Schön langsam bin ich frustriert, dass ich kein warmes Wasser hab. Mit Gänsehaut gehe ich in Bett. Bin schon ans "Nicht schlafen können" gewohnt.

 

17. Tag

 

 

Endbesprechung mit Regan in der Schule. Wir hoffen, dass alles klappt. Die erste Lieferung von Schulhemden ist fertig, wir bekommen sie ins Heim geliefert. Dawa holt uns ab. Wir fahren zum Cargo, um den restlichen Zollbetrag zu begleichen. Gemeinsam fahren wir zu Bhat-Bhateni, dem einzigen Einkaufszentrum in Kathmandu. Ich kaufe 60 Stück Muffins und jede Menge andere Sachen. Ich habe demnächst Geburtstag und möchte mit den Kinder feiern. Während wir einkaufen liefert Cargo. Endlich ist alles angekommen. Wir fahren zurück ins Hotel. Vollgepackt suche ich ein Taxi und fahre zum Heim. Heute will ich alles auspacken und vorbereiten, bevor die Kids von der Schule kommen. Schaffe ich noch rechtzeitig, sind immerhin 219 kg. Sortiere sorgfältig alles auseinander. Gewand, Schulsachen, Spielzeug, Schuhe und anderes. Kaum bin ich fertig, kommen meine Sprösslinge. Eine Augenweide und eine Riesen-Freude, einfach unbeschreiblich. Ich hab Glückstränen in den Augen. Ich möchte noch viel länger hier bleiben, leider läuft mir die Zeit davon. Mir ist bewusst, dass ich nur noch 2 Tage habe und das tut höllisch weh. Wir sind eine große Familie geworden. Jedes Kind kann sich etwas aussuchen, zum Schluss machen wir Fotos und lachen viel miteinander. Es ist schon dunkel. Wir fahren jetzt zu Suri nach Baktapur. Der Junge ist mein Held und mein Projekt-Initiator. Ohne Suri wäre ich jetzt nicht hier. Ohne Suri hätte ich dieses wunderbare Projekt nicht. Ich danke Suri für seine kindliche Zuneigung, die mich damals vor 3 Jahren angesprochen hat. Er hat mein Herz geöffnet. In Baktapur ist es schon stockfinster aber wir finden zu ihm. Wiedersehen ist immer mit vielen Emotion verbunden. Obwohl ich bereits 3 Patenkinder habe, Suri ist ein Teil von mir, wir sind miteinander verbunden. Er lebt bei seiner Familie, geht aber leider selten in die Schule. Er ist ein kleiner Junge, der sein täglich Brot mit Touristen verdienen muss. Deswegen ist sein englischer Akzent viel besser als der der anderen Kinder. Seine Familie ist sehr nett zu mir. Wir tauschen Geschenke aus, ich möchte keine Geschenke annehmen aber zurückweisen soll man sie auch nicht. Alles kommt von Herzen, ich spüre das. Wir sitzen alle auf einem Teppich in einem dunklen Raum bei Kerzenlicht und reden und singen. Mein Herz ist voller Freude. Ich fühle in diesem Raum die Liebe.  Abschied ist immer schwer, ich weine jetzt. Wir fahren mit der Blauen Stute über die Straßen von Baktapur. Es ist erstaunlich mit wie viel Leichtigkeit Progress seine Stute beherrscht. Er ist der beste "Stuten-Reiter", den ich kenne.

 

18. Tag

 

Letzter Tag mit meinen Kindern, heute ist schulrei. Ich habe die Kinder den ganzen Tag. Wir machen einen Ausflug in den ZOO. Um 10 Uhr  prallt die Sonne auf uns herab. Wir haben etwa 35 Grad und die Kinder sind happy.  Alle schön angezogen, manche in Winterstiefeln. Die haben sie eben seit gestern und sind stolz auf die feine europäische Mode.  Besonders die Mädels. Einige tragen sogar Winterwesten bei dieser Hitze, ich halte es nicht aus und muss lachen. Es ist doch so heiß. Wir amüsieren uns alle miteinander. Wir machen eine kurze Rast, die Kinder bekommen die leckeren Muffins und frische Fruchtsäfte. Nachher singen alle "Happy Birthday". Alle ZOO Besucher schauen uns an und ich weine schon wieder. Es ist schon Mittag, wir fahren wieder zurück ins Heim. Die Didi hat schon gekocht. Feines Hühner-Curry und ich esse mit meinen Kinder genau wie sie, mit den Händen. Nachher machen wir Abschieds-Fotos, Gruppenfotos, Einzelfotos. Ich spüre, wie schwer mein Herz jetzt schlägt. Ich bekomme kaum Luft vor Schmerz. Es tut richtig weh. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Obwohl ich weiß, dass ich wieder komme, ist der Moment unerträglich. Immer wieder umarme ich die Kinder und sie mich. Sie singen wieder ein Abschiedslied für mich und ich schliesse das Tor hinter mir. Im Hotel suche ich Ablenkung und fange sofort an, meine Koffer zu packen. Schnell ist alles fertig. Bin immer noch aufgewühlt und rastlos. Stefanie versucht, mich zu trösten. Es ist gut, dass sie jetzt hier ist. Es ist fast 23 Uhr, als ich zu Bett gehe.

 

 

19 Tag

 

Es ist 4 Uhr früh. Dalipi, der Rezeptions Chef weckt uns. Progress kommt vorbei. Mit ihm habe ich nicht gerechnet. Ich bekomme noch Geschenke von ihm, nette Geste. Um 4h30 kommt unser Taxi. Es ist noch dunkel draußen und die Straßen von Kathmandu sind menschenleer. Innerhalb kurzer Zeit sind wir am Flughafen. Natürlich wieder die ersten. Die sperren erst um 6 Uhr auf, na bravo. Wir reden über alle Geschehnisse der vergangenen 18 Tage. Pünktlich um 6.00 Uhr öffnen sich die Türen und wir sind die ersten Passagiere im Flughafen. Witziges Gefühl. Wir geben unsere Koffer ab, füllen die Formulare aus und begeben uns in den Gate-Bereich. Gemütlich frühstücken und Postkarten abschicken. Alles läuft perfekt bis auf mein Herz, das schafft den richtigen Rhythmus nicht. Wir fliegen und mit feuchten Augen schaue ich über die Dächer von Kathmandu, wo ich mein Zuhause gefunden habe. Nehme meine Tablette und schlafe ein. Zwischenstopp in Istanbul. Hier trennen sich unsere Wege. Stefanie hat die Verbindung nach Wien und ich nach München. Der Flug hat Verspätung. Wir sitzen jetzt schon über 1,30 Stunden im Flieger, können aber nicht starten. Ein verheerendes Gewitter über Istanbul. Wir warten. Ich schlafe wieder ein. Die Landung in München habe ich nicht geschafft, mir ist schlecht. Am Flughafen wartet schon seit 1 Stunde der Transfer auf mich. Ich sitze ganz vorne. Unterwegs wird mir noch zwei Mal schlecht. Mein Hals brennt, mein Kopf pocht und mein Magen schafft es nicht mehr. Ich bin absolut erledigt. Um 22.00 Uhr bin ich endlich zu Hause. Ich kann mich kaum mehr bewegen. Mein Mann holt mich aus dem Taxi und führt mich ins Haus. Ich trinke ein Glas Wasser und gehe schlafen. Nach 20 Tagen kann ich endlich WIEDER GUT SCHLAFEN.